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Der Durst unserer Lebensmittel

Wasser ist ein essentielles Lebensmittel. Wir sind auf sauberes Trinkwasser angewiesen. Doch nicht nur um unserem überlebenswichtigen Wasserbedarf nachzukommen, sondern auch für die Erzeugung von Lebensmitteln und Konsumgütern gebrauchen wir Wasser in unserem Alltag. Daher ist unser tatsächlicher Wasserbedarf wesentlich höher als er uns auf den ersten Blick vielleicht erscheinen mag. Ein guter Grund, sich diesen Gebrauch von Wasser einmal etwas genauer anzuschauen.

Von direktem Wasserverbrauch und virtuellem Wasser

Der direkte tägliche Wasserverbrauch eines deutschen Durchschnittbürgers wird mit 120 Litern beziffert. Diese Menge Trinkwasser wird vor allem zum Trinken, Kochen, Geschirr spülen, Putzen, Duschen, Wäsche waschen und für die Toilettenspülung verwendet. Wesentlich größer ist allerdings jener Anteil, der sich in unseren Lebensmitteln, der Kleidung oder anderen Produkten versteckt, die wir im Alltag ver- und gebrauchen - und zwar in Form von so genanntem virtuellem Wasser. Unter virtuellem Wasser versteht man die Gesamtmenge an Wasser, die während des Herstellungsprozesses eines Produktes, Lebensmittels oder einer Dienstleistung gebraucht oder verschmutzt wird oder die dabei verdunstet. Bei der Berechnung des virtuellen Wassergehaltes eines Produktes wird dabei jeder einzelne Schritt im Herstellungsprozess einbezogen. Berücksichtigt man eben diese Menge Wasser, so liegt der errechnete Durchschnittsverbrauch in Deutschland pro Person bei 5.000 l Wasser täglich. Nur 1.000 l Wasser pro Person und Tag sind notwendig um eine tägliche Überlebensration zu erzeugen. Wir gebrauchen also im Schnitt fünfmal so viel.

Etwa die Hälfte bis 2/3 dieses Wasserverbrauchs findet außerhalb Deutschlands statt. Unser Konsumverhalten beeinflusst dementsprechend maßgeblich die Wasservorkommen auf der ganzen Welt. D.h. wir verbrauchen heute schon weitaus mehr Wasser für Konsum als uns überhaupt zusteht. Und das während ein großer Teil der Menschheit nicht mal genug Wasser hat, um den täglichen Durst zu stillen. Rund eine Millarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Laut Unicef sterben weltweit jährlich 1,5 Millionen Kinder an Durchfall, weil sie kein sauberes Wasser trinken konnten.


Mit dem Begriff des virtuellen Wassers soll der Handel mit unsichtbarem Wasser veranschaulicht werden. So wird beispielsweise in Gebieten, die ohnehin unter Wasserknappheit leiden, Baumwolle oder Kaffee wasserintensiv angebaut und anschließend in Gebiete ohne Wasserknappheit exportiert. Das hat zur Folge, dass in Ländern wie Deutschland dringend benötigtes Wasser aus Ländern mit Wasserknappheit genutzt wird. Die wasserintensive Bewirtschaftung verstärkt in Entwicklungsländern, aber auch anderen Ländern oder Regionen mit Wasserknappheit entsprechend die kritische Situation hinsichtlich der Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser.


Durch den Klimawandel wird in wasserarmen Gebieten in der Zukunft mit noch weniger Niederschlägen gerechnet. Manche Regionen wie der mittlere Westen der USA oder das größte Agrargebiet in Australien erfahren die Folgen des Klimawandels bereits heute in Form großer lang anhaltender Dürren. In Spanien zapfen Bauern über ca. 500.000 illegale Brunnen das Grundwasser an und damit den nahen Flüssen und Feuchtgebieten das wichtige Nass ab. Große Flüsse wie der Jordan in Palästina oder der Gelbe Fluss in China trocknen im Sommer in ihrem Mündungsgebiet schon mal aus. Das Tote Meer ist heute um 35 % kleiner als noch vor 50 Jahren. Der Aralsee hat 70 % seiner Fläche verloren, weil sein Wasser für die Bewässerung von nahen Baumwollfeldern verwendet wurde.

Mancherorts frohlocken die Politiker und Ökonomen, weil zuletzt große unterirdische Wasserreservoire entdeckt wurden, wie unter der Sahara oder der Ogallala-Aquifer in den USA. Schon wird geplant, diese Vorräte für den Ausbau der Landwirtschaft einzusetzen, wie etwa in Libyen, wo sie den Export von landwirtschaftlichen Erzeugnissen vorantreiben sollen. Doch Berechnungen zeigen, dass auch diese riesigen Vorkommen in ca. 20 Jahren versiegen. Und so ist sich auch der ehemalige Chefökonom der Weltbank Nicholas Stern sicher, dass die Menschheit die Auswirkungen des Klimawandels vor allem bei der weltweiten Wasserversorgung zu spüren bekommen wird. Es wird also zunehmend wichtig, darauf zu achten, möglichst wenig virtuelles Wasser aus Ländern bzw. Regionen zu importieren, deren Wasserbewirtschaftung nicht nachhaltig ist oder die ohnehin unter Wasserknappheit leiden. Zudem kommt es darauf an Wasser effizienter zu nutzen und gerechter zu verteilen. Insbesondere der letzte Punkt wird oft in Frage gestellt, wenn an die Privatisierung von Wasser gedacht wird.


Der weitaus größte Wassernutzer weltweit ist die Landwirtschaft. Auf ihr Konto gehen 70 % des Wassergebrauchs. Doch die geht verschwenderisch damit um obwohl es längst Techniken gibt, um Wasser effizienter zu nutzen wie z.B. poröse Schläuche an den Wurzeln der Pflanzen statt Sprinkleranlagen zu nutzen. Grundsätzlich sind Produkte, bei deren Produktion Regenwasser genutzt wird (bspw. bei der Bewässerung von Pflanzen) als nachhaltiger einzustufen also jene Produkte, die durch künstliche Bewässerung mit Trink- bzw. Grundwasser produziert werden. Doch auch der Verzicht auf künstliche Bewässerung muss nicht bedeuten, dass die Wassernutzung nachhaltig erfolgt. Regenwasser wird von den Pflanzen aufgenommen und verdampft zum Teil ungenutzt wieder. Demnach kann es nicht versickern und zur Grundwasserneubildung beitragen.


Da es in Deutschland keine Wasserknappheit gibt - auch wenn auch bei uns das Grundwasser schwindet - sollte man als Verbraucher auch hinsichtlich des (virtuellen) Wasserverbrauches den Konsum regionaler Produkte bevorzugen. Positive Nebeneffekte sind hierbei kürzere Transportwege (und somit ein geringerer CO2-Ausstoß), strengere Kontrollen beim Einsatz von Pestiziden sowie die Stärkung der lokalen/regionalen Wirtschaft.


Folgendes Beispiel veranschaulicht deutlich, wie man als Verbraucher zu einem geringeren Wasserverbrauch beitragen kann:

Von der Wasserintensität unserer Lebensmittel

Die Produktion von 1 kg Rindfleisch erfordert 15.000 l Wasser (globaler Mittelwert). Etwa 98 % davon sind alleine auf den Anbau von Futter zurückzuführen. Die gleiche Menge Reis erfordert dagegen „nur“ etwa 3.000 l Wasser. Dass auch der Reisanbau einen relativ hohen Wasserbedarf aufweist, zeigt beispielsweise der Vergleich mit Kartoffeln. Die Produktion von 1 kg Kartoffeln erfordert im Mittel nur 290 l Wasser.


In der folgenden Tabelle finden Sie einige ausgewählte Produkte mit dem zugehörigem Wasserverbrauch:

Produkt
[Maßeinheit]
Wasser-
verbrauch [L]
1 Apfel [150 g] 125
1 Liter Apfelsaft 1140
1 Packung Butter [250 g] 1400
1 Tasse Kaffee [125 ml] 130
1 Ei [60 g] 200
Kartoffeln [1 kg] 290
1 Tomate [250 g] 50

 

Weiterführende Informationen und Quellen

Bayerischer Rundfunk: Virtuelles Wasser - Die versteckte Wasserverschwendung:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/faszination-wissen/fawi-virtuelles-wasser-wasserfussabdruck-video-102.html

 

Bayerischer Rundfunk: Münchner Wissenschaftstage - Wie lange reicht die Ressource Wasser?:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/alpha-campus/wissenschaftstage-ressource-wasser-104.html 


Water Footprint Network: Wasse-Fußabdruck
:

http://www.wasserfussabdruck.org/index.php?page=files/home

2009. Sonnenberg, A., Chapagain, A., Geiger, M. and August, D. (2009). Der Wasser-Fußabdruck Deutschlands: Woher stammt das Wasser, das in unseren Lebensmitteln steckt? WWF Deutschland, Frankfurt.

 

Letzte Änderung: 20.03.2019

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