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Reisen

Urlaub - das ist für viele die schönste Zeit des Jahres. Erholung in unberührter Natur und das Kennenlernen von Menschen und Kultur fremder Länder stehen dabei besonders Hoch im Kurs. Doch der Tourismus, insbesondere Massentourismus und Fernreisen, stehen wegen ihrer negativen ökologischen, sozialen und kulturellen Auswirkungen in der Kritik. 5 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen gehen auf das Konto des Tourismus. Bei einem durchschnittlichen Mallorca-Urlaub wird ca. 1 Tonne Kohlendioxid pro Person in die Atmosphäre ausgestoßen. Ein Flug von Frankfurt nach Sydney erzeugt sogar 12 Tonnen CO2. Zur Einordnung: 3 Tonnen CO2 pro Person wären nach heutigem Verständnis pro Jahr gerade noch umweltverträglich!

Tourismus als Ursache massiver Umweltzerstörungen

Neben den Klimaschäden ist der Tourismus auch verantwortlich für massive Umweltzerstörungen an der eigentlich ersehnten unberührten Natur. Oft wurden und werden noch immer wertvolle Naturräume für Hotelanlagen zerstört, leiden nahe Feuchtgebiete und die lokale Bevölkerung zum Wohle von Golfplätzen und Hotelpools unter Wassermangel. Im Urlaub werden Standards erwartet und als Luxus genossen, die daheim ökologisch unverantwortlich und nicht zu finanzieren sind. Urlaub dagegen scheint für manche/n offenbar auch Urlaub von unseren heimischen Zwängen, Regeln und Normen zu bedeuten. So verbraucht ein Hotelgast durchaus bis zu 25-mal so viel Wasser wie ein/e Einheimische/r. Touristenmassen verbrauchen Unmengen an Energie und hinterlassen Müllberge. Die türmen sich meist in Regionen an, in denen es keine Möglichkeit oder kein verantwortungsbewusstes Konzept der Entsorgung und des Recycling gibt.

Souvenirs plündern die Natur der Reiseländer

Während der Müll den Einheimischen vor Ort als ihr Problem dagelassen wird, werden nicht selten Souvenirs aus der Natur mitgenommen. Noch immer werden Korallen, Muscheln, Elfenbeinschnitzereien, Orchideen, Ledererzeugnisse aus Reptilienleder, Kakteen, Orchideen oder gar Kobras in Alkohol eingelegt mit nach Hause gebracht.  Jährlich 1.500 Mitbringsel werden allein vom deutschen Zoll beschlagnahmt. In 80% der Fälle sind Touristen betroffen und natürlich die Natur des Urlaubslandes.

Tourismus = Wachstum. Stimmt die Gleichung?

Für viele Länder und ihre Bevölkerung ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftszweig. Doch gerade diese Abhängigkeit geht oft einher mit langen Arbeitszeiten, geringer Bezahlung, fehlenden sozialen Sicherungssystemen und gewerkschaftlichen Strukturen, Verletzung von Menschenrechten sowie sexueller Belästigung und Prostitution von Frauen und Kindern. Die Gleichung Tourismus = Wachstum trifft in vielen Fällen überhaupt nicht zu. Im Gegenteil, oft profitieren vor allem internationale Tourismuskonzerne und die Hersteller von ins Urlaubsland importierten Konsumgütern aus den Industrieländern von den Urlaubern aus den reichen Nationen. Die Einheimischen, ihr Land, ihre Wirtschaft, ihre Natur und ihre Ressourcen dagegen bleiben auf der Strecke bzw. werden ausgebeutet.

Muss es immer eine Reise sein?

Doch ist es deshalb notwenig zukünftig auf Reisen und Urlaub zu verzichten? Zunächst ist es wichtig, das Bewusstsein dafür zu gewinnen, dass Reisen negative ökologische, soziale und kulturelle Folgen mit sich bringen kann. Erkenntnisgewinn – etwas das Reisen mit sich bringen soll, weshalb in unserer Sprache jemand als „bewandert“ und „erfahren“ bezeichnet wird, hat er/sie besondere Kenntnisse oder Weisheit -  ist der erste Weg zum bewussten Verreisen. Verzicht ist durchaus auch wünschenswert und gar nicht immer nur eine trostlose, sondern eher eine erholsamere Variante, wie der FAZ-Journalist Erlo Reininger in einem Selbstversuch 2012 eindrucksvoll nachgewiesen hat. Auch die Urlaubspsychologie verweist darauf, dass die Reise an sich nicht die Erholung bringt, die wir uns davon eigentlich erhoffen. Stattdessen wäre es eigentlich wichtiger, den alltäglichen Erholungswert daheim zu erhöhen, tägliche Stressfaktoren zu identifizieren und zu reduzieren, statt alle Hoffnung in die 21-tägige Reise hineinzulegen.

Auch hält unsere Region viele Erlebnisse, Naturschönheiten, Feste, kulturelle Highlights und faszinierende Entdeckungen für den Urlaub daheim parat. Unter dem Titel Urlaub in der Region geben wir ein paar Tipps, wie und wo Sie statt weig wegzufliegen, in der Region tolles erleben und entdecken können und entspannen können.    

Gänzlicher Verzicht auf das Verreisen ist sicher für viele dennoch nicht akzeptabel. Doch muss es jedes Jahr eine Fernreise oder überhaupt eine Flugreise sein? Muss es All-Inclusive im Hotelbunker direkt am Naturschutzgebiet mit Mietwagen vor Ort sein?

Nachhaltiger Tourismus - Eine Alternative?

Als Alternative zum konventionellen Massentourismus wird der „Nachhaltige Tourismus“ propagiert. Ziele des nachhaltigen Tourismus sind die ökologische, soziale, kulturelle Tragfähigkeit der Angebote an die Erholungssuchenden. Die World Tourism Organisation (UNWTO) sieht das Leitbild wie folgt: "Nachhaltige Tourismusentwicklung befriedigt die heutigen Bedürfnisse der Touristen und Gastregionen, während sie die Zukunftschancen wahrt und erhöht. Sie soll zu einem Management aller Ressourcen führen, das wirtschaftliche, soziale und ästhetische Erfordernisse erfüllen kann und gleichzeitig kulturelle Integrität, grundlegende ökologische Prozesse, die biologische Vielfalt und die Lebensgrundlagen erhält.“ (UNWTO, 2014)

Auch vom sanften Tourismus, Ökotourismus oder umweltverträglichen bzw. umweltfreundlichen Tourismus ist in diesem Zusammenhang oft die Rede. Diese Konzepte gehen meist nicht so weit wie der nachhaltige Tourismus, sondern bedienen Einzelaspekte.

Die Idee des nachhaltigen Tourismus ist nicht unumstritten. Zu groß sind oft die Eingriffe in die Kultur und Ökologie einer Region, wenn Touristen und damit Müll, Wasser-, Energie und Ressourcenverbrauch sowie Kapital in das vermeintliche Paradies eindringen, egal wie stark auf die Belange von Natur, Umwelt, Menschen und Kultur Rücksicht genommen werden. Insbesondere aber die Reise mit dem Flugzeug, Auto oder Kreuzfahrtschiff ist niemals nachhaltig oder umweltbewusst.

In diesem Beitrag wollen wir Sie dennoch darüber informieren, wie Sie Ihre Reise nachhaltiger, genauer: umweltbewusster, sozialverträglicher und bewusster gestalten können. Bewusster Reisen fängt bei dem/der Einzelnen an. Planen Sie Ihre Reise und verreisen Sie mit Herz und Verstand, bewusst, interessiert, offen und verantwortungsbewusst! Wir wollen deshalb auch nicht von nachhaltigem Reisen, sondern von bewusstem Reisen bzw. bewusstem Tourismus berichten. 


Finden Sie hier:
Adressen zum Thema nachhaltiges Reisen


Lesen Sie hier weiter: Urlaub in der Region



Weiterführende Informationen und Quellen


Spektrum.de: Urlaubspsychologie - Geballte Erholung?


www.spektrum.de/news/geballte-erholung/1156485



Letzte Änderung: 01.02.2017

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