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Das nachhaltige Osterfest

Ostern ist zwar nicht das Fest der besonders vielen und oft unnötigen Geschenke, des Feuerwerks oder der bunten Einmalkostüme. Wo braucht es da Nachhaltigkeit, könnten Sie fragen. Doch auch beim Osterfest haben sich Traditionen eingeschlichen, die wir Menschen zwar schätzen, dennoch aber kritisch hinterfragen sollten oder bei denen Sie zumindest auf ein paar Dinge achten könnten.

Die Ostereier - Eine schöne aber bedenkliche Tradition in Zeiten moderner Landwirtschaft
Eine eigentlich schöne Tradition beim Osterfest ist das Verstecken und Verspeisen der letztlich gefundenen Ostereier. Eigentlich ist das etwas paradox, denn es ist zum einen gar nicht so recht bekannt, wie es überhaupt zu diesem Brauch gekommen ist. Mit dem christlichen Osterfest haben Ostereier zum anderen eigentlich nicht viel zu tun. Als es zu Zeiten unserer Großeltern noch etwas Besonderes war, nach der langen Fastenzeit endlich wieder mal ein Ei zu essen, diese oft aus eigener Haltung stammten und das Ei ein Geschenk war, das Anerkennung und Liebe ausdrücken sollte, war auch nicht so viel daran auszusetzen. Heute wissen wir all das meist aber gar nicht mehr. Weil die Zahl der Menschen sowie unser Wohlstand und unsere Ernährungsansprüche deutlich gestiegen sind und wir uns in der Regel nicht mehr von der kleinen Grünfläche hinter dem Haus ernähren können, sondern auf eine industrielle Landwirtschaft angewiesen sind, um den Osterei-Brauch jedes Jahr neu aufleben zu lassen, sollten wir einen Moment innehalten und noch mal über die Ostereier-Tradition nachdenken. 

Denn denkt man dabei an den Tierschutz, muss der Rat zweifelsohne lauten, möglichst wenige oder gar keine Eier zu verzehren, zu bemalen und zu verschenken. Angefangen bei der engen Käfig- und Bodenhaltung der Legehennen über das schreckliche Zerschreddern oder Vergasen der als Eintagsküken bekannt gewordenen männlichen Küken: Nutztierhaltung inkl. Zucht und Haltung von Legehennen hat viele sehr dunkle Seiten. Leider durchaus auch dort, wo nach den Regeln der unterschiedlichen Bio-Siegel produziert wird.

Und genau Letzteres ist das Problem: es handelt sich zumeist nicht mehr um das Miteinander von Mensch und Tier in einer bäuerlichen Gemeinschaft, in der sich der Landwirt einigermaßen artgerecht um seine Tiere kümmert, sondern zumeist nur noch um industrielle Massenproduktion von billigem Fleisch und billigen Eiern in Landwirtschaftsfabriken. Wenn Sie dennoch nicht darauf verzichten möchten, Ostereier zu verstecken, zu verschenken oder/und zu essen, empfehlen wir, sich mit ein bis zwei Eiern pro Person zu begnügen und die Eier am besten im Hofladen oder im Bio-Supermarkt zu kaufen. Idealerweise achten Sie dabei auch auf die Kennzeichnung als sogenannte "Bruder-Eier", bei denen nicht alle männlichen Küken sofort getötet werden.

Eine Übersicht über die Hofläden in der Rhein-Neckar-Region finden Sie hier.

Eine Übersicht über die Bio-Supermärkte in der Rhein-Neckar-Region finden Sie hier.

Wenn Sie sich darüber informieren möchten, was die einzelnen Bio-Siegel für die Tierhaltung bedeuten, finden Sie vielfältige Informationen dazu in der Infografik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), die wir weiter unten auf dieser Seite bei den weiterführenden Informationen verlinkt haben.

Wenn die Eier von eigenen Hühnern oder von solchen aus der Nachbarschaft stammen ist das meist umso besser. Im erstgenannten Fall bestimmen Sie, wie die Tiere gehalten werden. Oft werden alte Rassen dafür gewählt, die nicht als Hochleistungshühner zur Massenproduktion von Eiern gezüchtet worden sind. Hühnerhaltung im eigenen Garten ist übrigens auch in der Stadt durchaus tiergerecht möglich. Die Heidelberger Permakultur-Freunde von GreenLounge (http://greenlounge-permakultur.de/) informieren Sie sicher gerne, wie Sie eine alte Hühnerrasse in Ihrem Garten in der Stadt halten und die Hühner mittels eines Hühnertraktors Ihren Rasen abgrasen lassen können. Kommen die Eier aus der Nachbarschaft oder vom Hofladen können Sie sich zumeist ein Bild von der Haltung vor Ort machen.

Am besten färben Sie die Eier nach dem Kauf selbst mit natürlichen Farben: dafür kann beispielsweise Rote Bete benutzt werden! Die Eier, die man bereits bunt im Supermarkt kaufen kann, sind oft mit chemischer Farbe gefärbt. Diese können sogar durch die Schale an das essbare Ei gelangen.

Süßigkeiten zu Ostern - Wie wäre es mit der öko-fairen Alternative?
Meist bekommen vor allem Kinder neben den bunten Eiern auch viele Süßigkeiten zu Ostern geschenkt. Fair gehandelte Süßigkeiten und Bio-Produkte sind die ökologischere und nachhaltigere Alternative und - natürlich je nach persönlichem Geschmack - genau so lecker! Aber auch hier gilt der Rat, maßvoll zu schenken. Nur ein paar Süßigkeiten zu verschenken, ist nicht nur nachhaltiger als die Kinder damit zu überhäufen. Es ist zudem auch gesünder.

Das Ostermenü - Muss es immer ein Lamm oder überhaupt ein Fleischgericht sein?
Eine weitere Tradition zu Ostern ist die Zubereitung eines Osterlamms. Wie viele andere Nutztiere wachsen Lämmer häufig in keiner tiergerechten Haltung auf und werden (da es Lämmer sind) dann auch noch nach nur sehr kurzer Lebensdauer geschlachtet. Schafe können eigentlich durchaus 20 Jahre alt werden. Weil ihr Fleisch mit zunehmendem Alter aber einen immer strengeren und intensiveren Geschmack annimmt, verzehren wir lieber junge Lämmer. Die werden oft schon nach nur zwei bis sechs Monaten, spätestens aber nach einem Jahr bei Mastlämmern, geschlachtet. Legehennen, denen wir bekanntlich die Ostereier zu verdanken haben, werden übrigens auch in der Regel nach anderthalb Jahren eines traurig-langweiligen Lebens in oftmals engen Käfigen geschlachtet. Masthühner nach nur 5-6 Wochen. Ethisch vertretbar ist das alles kaum.
Ein vegetarisches oder gar veganes Ostermenü kann eine tolle und mindestens genauso schmackhafte und satt machende Alternative ohne Gewissenbisse sein: gerade zur Osterzeit im Frühling kann man mit viel saisonalem Gemüse tolle Gerichte zaubern. Einige vegetarische Rezeptideen finden Sie zum Beispiel bei den weiterführenden Links unten auf dieser Seite.

Eine durchaus schöne Tradition und die bessere Alternative zum echten, geschlachteten Lamm ist das Backen eines Kuchen-Osterlamms. Schneiden Sie mit Ihrer Familie zu Ostern doch lieber ein Kucken-Osterlamm an, als ein echtes. Im Internet finden Sie viele Backtipps und Rezepte für ein Kuchen-Osterlamm. Z.B. eines für ein Bio-Osterlamm bei OmBio.


Osterdekoration - Am besten mit Naturmaterialien

Die Dekoration an Ostern kann sehr gut mit Naturmaterialien erfolgen. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass nicht einfach Zweige von Sträuchern etc. abgeschnitten werden: diese könnten der Lebensraum von Vögeln im Frühling sein.

Der Osterhase - bzw. Feldhase
Passend zu Ostern sollten wir uns auch über ein gefährdetes Tier Gedanken machen, das wir sehr eng mit Ostern verbinden: den „Osterhasen“, bzw. biologisch natürlich den Feldhasen. Was viele nicht wissen: dem Feldhasenbestand geht es in freier Natur gar nicht gut. Der Feldhase ist in Deutschland aktuell bundesweit als „gefährdet“ eingestuft, mit der Tendenz zu einer Verschlechterung der Bestände. Das liegt u.a. an der Art unserer modernen Landwirtschaft. Denn die bringt verheerende Folgen für den Lebensraum der Feldhasen mit sich: Einerseits werden große Mengen von Düngemitteln und Pestiziden eingesetzt, andererseits werden die landwirtschaftlichen Flächen sehr intensiv genutzt und immer mehr zerstückelt. Und es werden immer mehr Lebensräume des Feldhasen umgewandelt. Die Entwicklung beim Feldhasen ist eigentlich umso gravierender bedenkt man, dass es sich bei ihm um ein sehr anpassungsfähiges Tier handelt. Mehr dazu können Sie im untenstehenden Link auf der NABU-Internetseite nachlesen.

Denken Sie doch auch zu Ostern mit Ihrer Familie mal an das Schicksal der für unsere Feldflur eigentlich so typischen Tiere und sprechen Sie mit Ihren Kindern oder überhaupt im Kreise der Familie über die wertvolle Arbeit von Naturschutzorganisationen wie dem NABU oder der Deutschen Wildtierstiftung, die sich für den Erhalt der Feldhasen einsetzen. Der Deutschen Wildtierstiftung könnten Sie zudem eine Spende für die Aktion Hasenhilfe zukommen lassen.

Osterfeuer - Gefahr für Wildtiere
Zum Osterfest gehört für viele von uns auch das Osterfeuer. An vielen Stellen werden sie demnächst wieder entzündet. Doch Vorsicht: unter den Haufen aus Reisig und Schnittholz verstecken sich oftmals Wildtiere wie der Feldhase, Igel, Spitzmäuse, Amphibien und zahlreiche Insekten. Manche Vögel brüten gar darin. Für die Wildtiere im Holzhaufen wird das Feuer zur sicheren Todesfalle. Deswegen empfehlen wir, das Brennmaterial erst kurz vor dem Abbrennen aufzustapeln. Sollte es schon länger auf dem Haufen liegen, ist am besten ganz davon abzuraten, den Holzstapel abzubrennen oder er sollte vor dem Abbrennen sehr vorsichtig umgestapelt werden.

Ostermärsche - Ein Zeichen für Frieden und Abrüstung auf der Welt
Eine schöne Tradition sind mittlerweile die zahlreichen Ostermärsche, die in vielen Städten zu Ostern organisiert werden. Wenn Sie sich auch im Sinne der Zukunft Ihrer Kinder für Frieden und Abrüstung auf der Welt einsetzen und dafür ein Zeichen setzen wollen, dann nehmen Sie doch an einem der Ostermärsche teil. Hinweise darauf, wann und wo genau Ostermärsche stattfinden, finden Sie typischerweise im Internet oder in den lokalen Tageszeitungen. Auch gibt es in den Gemeinden der Rhein-Neckar-Region verschiedene Organiationen, die die Märsche vor Ort organisieren wie z.B. das Friedensplenum Mannheim oder der Heidelberger Friedensratschlag, bei denen Sie sich auch nach den Terminen vor Ort erkundigen können.

 

Weiterführende Informationen:

Ostereier natürlich färben: https://utopia.de/ratgeber/ostereier-natuerlich-faerben-naturmaterial/

Vegetarisches Ostermenü – Rezeptideen: http://eatsmarter.de/rezepte/rezeptsammlungen/vegetarische-osterrezepte#/0

Infografik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft: https://www.bmel-forschung.de//fileadmin/SITE_MASTER/content/bilder/forschungsfelder/2017_1/Na_logo.pdf

Die Bedrohung des Feldhasen: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/sonstige-saeugetiere/16729.html

Lesen Sie hier weiter: Die Party draußen

Letzte Änderung: 11.04.2017

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