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Nachhaltige Weihnachten

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Christen gedenken an Weihnachten der Geburt Jesu. Doch seit langem wirkt die Weihnachtszeit eher wie ein einziger Konsumrausch. Der Einzelhandel animiert uns, ganz viele Geschenke zu kaufen und mosert, wenn die selbstgesteckten Umsatzziele nicht erreicht wurden. Als gäbe es ein natürliches Anrecht auf das Geld in unseren Portemonaits. Viele Menschen sind von der Vorweihnachtszeit gestresst. Immer größer, aufwendiger, teuer müssen die Geschenke werden, dabei sollten wir einander doch vor allem Liebe und Zeit für einander schenken.

Für unser Bild vom perfekten Weihnachtsfest müssen Millionen Tiere ihr Leben lassen, um als Weihnachtsbraten zu enden. Millionen Bäume werden gefällt, um bestenfalls für ein paar Wochen als Christbaum in unseren Wohnungen zu stehen. Und endlose Kilowattstunden Strom werden verpulvert, um blinkende, grell leuchtende Lichterketten zu betreiben.

Doch Weihnachten geht auch nachhaltiger, mit weniger Stress, weniger Umweltschäden und ohne Konsumrausch.

Weihnachtsbeleuchtung – Weniger ist mehr

Um die Weihnachtszeit leuchten und blinken die Lichterketten um die Wette– doch ist das nötig? Aus Sicht des Umweltschutzes sollte nur beleuchtet werden, was nötig ist – weniger ist dabei mehr! Wer jedoch nicht auf die Beleuchtung im oder am Haus verzichten will, sollte LED-Lichterketten verwenden. Diese verbrauchen bis zu 90% weniger Strom – sind also auf Dauer auch besser für den eigenen Geldbeutel. Auch Zeitschaltuhren können dabei helfen, wenn man die Beleuchtung nicht manuell ein- und ausschalten will und die Beleuchtung zumindest nicht auch am helllichten Tag und mitten in der Nacht erstrahlen soll, also zu Zeiten, zu denen Sie ohnehin niemand „bewundern“ wird. Batteriebetriebene Lichterketten belasten die Umwelt mehr als solche, die man an eine Steckdose anschließen kann!

Weihnachtsbaum – Am besten im Garten oder aus nachhaltiger Forstwirtschaft

Beinahe 30 Millionen Weihnachtsbäume werden jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit in Deutschland verkauft. Die meisten kommen aus Monokulturen, in denen übermäßig gedüngt und Pestizide verspritzt werden, ganz zum Leidwesen der dortigen Böden, Tiere, insbesondere Insekten und der Gewässer, in die die Düngemittel und giftigen Chemikalien am Ende gelangen. Doch nicht nur dorthin gelangt das verspritze Gift, sondern auch in unsere Wohnzimmer, wo wir damit in Kontakt kommen. Vermutlich nicht einmal 1% der verkauften Weihnachtsbäume stammen aus ökologischem Anbau. Und nach ihrem kurzen Weihnachtseinsatz werden die Bäume einfach weggeworfen.

Welche Alternativen gibt es?

Wir empfehlen Ihnen – sofern bei Ihnen verfügbar – lieber einen Nadelbaum im Garten als Weihnachtsbaum zu schmücken als einen Gekauften in der Wohnung. Ein schöner Baum im Garten kann geschmückt werden, ohne dass er gefällt werden muss und er bleibt Ihnen somit erhalten. Soll es dennoch unbedingt ein Weihnachtsbaum in der Wohnung sein, so sollten Sie beim Kauf des Weihnachtsbaumes möglichst darauf achten, dass er aus nachhaltiger bzw. besser aus ökologischer Forstwirtschaft stammt. Auf nachhaltige Fortstwirtschaft lässt z.B. das Siegel des Forest Stewardship Councel (FSC) schließen. Der gesamte Staatswald in Baden-Württemberg und fast der gesamte Staatswald in Rheinland-Pfalz z.B. sind FSC-zertifiziert. Die Landfesforsten bieten in der Regel an, sich dort an bestimmten Stellen und zu bestimmten Zeiten unter Aufsicht einen Weihnachtsbaum selbst zu schlagen. Informationen hierüber erhalten Sie üblicherweise bei den Forstbehörden bzw. bei Ihrem Forstamt.

Angebote gibt es z.B. bei den Landesforsten Rheinland-Pfalz (in der Suche Ihr Bundesland oder Ihre Postleitzahl eingeben und bei Stichwort unten "Weihnachtsbaum" eingeben), beim Landesbetrieb HessenForst, beim Helfertshof in Gorxheimertal im Odenwald. Alle Angebote zum Weihnachtsbaum selber schlagen in der Region erhalten Sie auf der Christbaum-Map von proplanta.

Bio-Weihnachtsbäume aus ökologischem Anbau können Sie vor allem auch am entsprechenden Siegel, EU-Bio, Demeter, Bioland und Naturland erkennen. Die Umweltschutzorganisation Robin Wood gibt jedes Jahr eine Übericht über die Bezugsquellen von Weihnachtsbäumen aus ökologischer Land- oder Waldwirtschaft heraus. Die aktuelle Liste der von Robin Wood ermittelten Verkaufsstellen für Öko-Weihnachtsbäume finden Sie hier. Auch der BUND bietet jählich (ab ca. Ende November) eine Liste von Bezugsquellen ökologischer Weihnachtsbäume. Zur Liste des BUND kommen Sie über diesen Link.  

Traurig: auch wenn die Anzahl der Verkaufsstellen von Öko-Weihnachtsbäumen in den letzten 6 Jahren von etwas über 100 auf inzwischen über 800 gestiegen ist, bleibt das Interesse der meisten Menschen an Öko-Weihnachtsbäumen im Vergleich zu konventionell erzeugten offenbar doch gering. Robin Wood schätzt den Marktanteil auf maximal 0,5%! 

Der beliebteste Weihnachtsbaum bei uns ist übrigens die Nordmanntanne. Doch die ist gar keine heimische Baumart. In der Regel haben diese Christbäume lange Transportwege hinter sich. Sie kommen oft aus Polen, Tschechien oder Dänemark zu unseren Weinhachtsbaum-Verkaufsständen, hohe CO2-Emissionen für den Transport inklusive. Verwenden Sie daher besser eine heimische Baumart wie Fichte, Kiefer oder Tanne am besten biologisch angebaut oder von den Staatsforsten unter Einhaltung der FSC-Kriterien angebaut, idealerweise auf sogenannten Sonderflächen wie unter Stromleitungen.

(c) Fair Trees Fund

Was viele von uns gar nicht wissen: Das Saatgut der Weihnachtsbaumplantagen stammt oftmals aus Georgien, insbesondere einer besonders armen Region des Landes, wo Zapfenpflücker unter lebensgefährlichen Bedingungen und zu niedrigen Löhnen auf die Bäume klettern und Zapfen zusammenklauben. Der Dänische Fair Trees Fund engagiert sich für die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Zapfenpflücker vor Ort. Es gibt inzwischen eine Reihe Weihachtsbaum-Produzenten, die faires Saatgut des Funds nutzen. Eine Online-Karte zeigt Ihnen, wo Sie Fair Trees Weihnachtsbäume bekommen können. In Deutschland bieten z.B. zahlreiche Toom-Baumärkte solche Bäume an. Allerdings stammen noch nicht alle Christbäume mit "Fair Trees" Zeichen aus biologischem Anbau. Das aber soll sich ändern.

Eine andere Idee ist, sich einen Weihnachtsbaum im Topf zu mieten. Beachtet man ein paar Dinge bei der Pflege, ist die Chance gegeben, dass der Weihnachtsbaum auch im kommenden Jahr Freude bereitet. Fragen Sie mal bei Baumschulen in der Region nach, ob Sie Ihnen diese Option anbieten können. Einige Baumschulen in der Region, die sich der ökologischen Erzeugung von Pflanzen verschrieben haben, finden Sie in unserer Konsumieren-Kategorie Gartenpflege. Ob es überhaupt viel nachhaltiger ist, sich einen Christbaum zu mieten statt zu kaufen, ist allerdings durchaus fraglich. In jedem Fall hat der Baum aber die Chance weiter zu leben, wenn Sie ihn entsprechend pflegen.

Das gilt auch, wenn Sie einen Weihnachtsbaum selber im Topf groß ziehen, was durchaus möglich ist. Wichtig ist, dass auch hier eine bestimmte Pflege zu beachten ist. Ganz besonders wichtig ist, dass der Baum von vorn herein im Topf gewachsen ist. Oftmals gibt es in Baumärkten oder Gartenmärkten Christbäume, die in Töpfe gesetzt wurden, nachdem ihnen die Wurzeln massiv gekürzt wurden. Die Chance, dass ein solcher Baum nach Weihnachten im Garten anwächst, ist extrem gering.  

Statt einen echten Christbaum anzuschaffen, könnten Sie sich auch einen Baum basteln oder nur einen Zweig als Baumersatz nutzen. Im Internet gibt es viele Anleitungen dafür. Ein paar sehr dekorative Ideen finden Sie z.B. hier: https://www.lilies-diary.com/unechte-weihnachtsbaeume-basteln-ist-neue-plaetzchen-backen/

Gar kein nachhaltige Idee ist leider der Weihnachtsbaum aus Plastik. In der Regel werden sie billig in Asien produziert und auf langen Transportwegen zu uns gebracht. Für ihre Herstellung wird fossiles Öl eingesetzt und meist am Ende dann doch verbrannt. Sie müssen mindestens 20 Jahre genutzt werden, damit ihre Umweltbilanz  am Ende besser ausfällt als beim natürlichen Weihnachtsbaum.

Statt einen abgesägten Baum daheim aufzustellen, könnten Sie auch einfach mal einen Baum pflanzen oder z.B. dem Bergwaldprojekt in Sangerhausen im Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt, einen "Weihnachts"-baum spenden.

Beim BUND Heidelberg können Sie für das Heidelberger Wäldchen gegen Erhalt einer Geschenkurkunde (ab 6 Euro Spende) Bäume für die Wiederaufforstung der Brasilianischen Küstenregenwälder spenden. Infos dazu gibt es hier.

Weihnachtsbaumschmuck – Möglichst aus Naturmaterialen

Lametta eignet sich nicht zum nachhaltigen Schmücken eines Baumes, da es aus Aluminium besteht: es wird mit hohem Energieaufwand und folglich hohen CO²-Emissionen produziert und ist zudem schwer entsorgbar. Oft bleibt das Lametta auch einfach an den Bäumen, weil es mühsam ist, es wieder abzusammeln. Wir empfehlen statt Lametta, schönen Holzschmuck (aus heimischem Holz bzw. zumindest nichht aus Tropenholz) oder solchen aus anderen Naturmaterialen wie Stroh zu verwenden, den man jedes Jahr erneut einsetzen kann. Doch Vorsicht: auch die im Handel erhältlichen Strohsterne kommen oft tausende Kilometer weit aus Asien zu uns. Der Transport plus die Plastikverpackung sind nicht gerade umweltfreundlich. Besser ist es, einen Weihnachtsstern aus heimischem Stroh selber zu binden.Im Internet gibt es zahlreiche Bastelanleitungen dazu.

Auch manch Essbares, das nicht leicht verdirbt, kann als Weihnachtsbaumschmuck verwendet werden, so z.B. Nüsse oder Äpfel.

Wenn Sie den Weihnachtsbaum beleuchten möchten, sollten Sie möglichst keine handelsüblichen Kerzen verwenden. Die enthalten in der Regel Paraffin, das wiederum aus Erdöl oder Palmöl gewonnen wird. Ökologisch besser sind Kerzen aus Bienenwachs. Wenn Sie Lichterketten am Baum verwenden, dann sollten diese idealerweise LED-Lampen aufweisen.

Das Weihnachtsmenü – Muss es immer der Braten sein?
Zu Weihnachten gehört für viele auch ein reichhaltiges Essen. Meist ein üppiges Mahl mit viel Fleisch oder Fisch. Doch muss es zum Fest wirklich immer Fleisch oder Fisch sein? Eigentlich traurig und ein bisschen paradox, dass extra ein Tier für das Fest der Liebe sterben muss. In Summe werden kurz vor Weihnachten Millionen Tiere extra für unsere „Freude“ zu Weihnachten auf zum Teil schreckliche Weise gemästet und geschlachtet. Früher zu Zeiten unserer Großeltern war es etwas Besonderes, zu Weihnachten ein besonderes Mahl mit einem Festtagsbraten genießen zu können. Doch heute essen viele Menschen jeden Tag teilweise zu allen Mahlzeiten Fleisch. In der Kirche in der Weihnachtspredigt mahnt der Pfarrer oft, Maß zu halten, dankbar auch für die kleinen Freuden zu sein. Daheim am Esstisch ist all das dann längst wieder vergessen.

Wir empfehlen deshalb ein vegetarisches oder gar veganes Weihnachtsmahl oder eines mit weniger Fleisch. Dafür gibt es auch zahlreiche Ideen im Internet – die Zutaten sollten möglichst regional, saisonal und ökologiosch (bio und fair) gewählt werden. Mehr dazu lesen Sie hier.
Wenn unbedingt Fleisch auf den Tisch kommen soll, dann am besten nur solches mit Bio-Zertifikat, idealerweise sogar zudem mit dem Siegel von demeter, Naturland oder Neuland, da diese für eine etwas tiergerechtere Tierhaltung stehen. Bei Fisch sollte auf das Bio- oder MSC-Siegel geachtet werden bzw. Sie sollten die Empfehlungen von WWF und Greenpeace zum Fischkauf beachten. Mehr dazu lesen Sie hier.


Plätzchen und Weihnachtssüßigkeiten
In der Adventszeit wird viel gebacken, aber auch bei Weihnachtsplätzchen sollte die Nachhaltigkeit nicht vergessen werden. Daher gilt auch hier: Bio- und faire Zutaten und Eier mit Bio-Siegel bzw. noch besser Bruder-Eier sind umweltfreundlicher, fairer und tierfreundlicher. Noch besser ist es aus Sicht der Nachhaltigkeit zumeist, wenn ausschließlich vegane Zutaten mit den entsprechenden Siegeln verwendet werden.
Am Ende der Weihnachtszeit nehmen sich viele von uns grundsätzlich erstmal vor, wieder abzuspecken, weil über die Festtage üppig gespeist und genascht wurde. Meist tun wir uns aber schwer mit dem Abnehmen. Besser wäre es, die Essensgenüsse von vorneherein einzuschränken. Müssen es wirklich so viele Süßigkeiten und so viele riesigen Mahlzeiten sein. Weisen Sie doch auch Ihre Familienmitglieder, bei denen Sie über Weihnachten zu Gast sind, im Vorfeld bereits darauf hin, dass für Sie nicht so viel aufgetischt werden muss bzw. planen Sie für Ihre Gäste keine ganz so üppigen Mahlzeiten. Das hilft auch Ihrem Geldbeutel und Ihen Nerven!


Die Weihnachtsgeschenke – Jedes Jahr derselbe Stress!
Weihnachten ohne Geschenke ist für viele Menschen undenkbar. Wir empfehlen aber gerade: denken Sie mal genau darüber nach. Wie viel Zeit und auch Geld könnten Sie sparen, wenn Sie die oft als nervig empfundenen Weihnachtseinkäufe sparen könnten? Nirgends steht geschrieben, dass zu Weihnachten Geschenke gehören, auch wenn uns der Einzelhandel jedes Jahr von neuem einzureden versucht, den Verkaufsrekord der vergangenen Jahre noch zu überbieten. Doch wieso eigentlich? Was haben Sie davon? Weihnachten ist eigentlich eine Zeit der Besinnlichkeit, nicht des Konsumrausches. Und mal Hand aufs Herz: wie oft haben Sie zuletzt Geschenke bekommen, die Sie eigentlich gar nicht gebrauchen können oder gar nicht wollten. Lesen Sie doch lieber mal in unserem allgemeinen Beitrag zum Schenken und beschenkt werden, wie (und eventuell was) sie alternativ schenken (oder eben nicht schenken)und sich vielleicht wünschen können. 
 

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