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Technik für daheim: Von den Folgen unseres Technikkonsums zu Tipps für eine nachhaltige Techniknutzung

Technik ist aus unserem Leben und unseren Wohnungen kaum mehr wegzudenken. Fernseher, Computer, Laptops, Handys, Spülmaschinen, E-Herde. Alles macht unser Leben komfortabler, manchmal schneller, angenehmer. Doch unser Technikkonsum hat Schattenseiten.

Vom Raubbau der Rohstoffe

Die Verkaufsprospekte des Handels überschütten uns mit Angeboten für Handys, Spielekonsolen und Flachbildschirmen, die wir angeblich unbedingt benötigen. Aus gutem Grund erfahren wir darin nichts über die Bedingungen, zu denen die Inhaltsstoffe der Geräte abgebaut, zu denen die Einzelteile in Fabriken Asiens zusammengebaut und welche Umweltverschmutzungen dadurch ausgelöst wurden.  
In Handys und vielen anderen Geräten kommen Dutzende wertvoller Rohstoffe zum Einsatz. Darunter Metalle wie Tantal, Wolfram, Kupfer und Zinn, die zumeist in Minen ärmerer Länder wie der Demokratischen Republik Kongo gewonnen werden.

Die Arbeitsbedingungen in den Minen sind oft menschenunwürdig. Schutzkleidung oder Sicherheitsvorkehrungen gibt es nicht. Mindestlöhne oder geregelte Arbeitszeiten sowieso nicht. Oft kommen Kinder zum Einsatz, die leichter in die engen Gänge kriechen können. Viele kommen dabei ums Leben.
Vom Abbau der Rohstoffe profitiert die lokale Bevölkerung in der Regel nicht. Vor allem Rohstoffunternehmen aus den Industrienationen sowie korrupte Regierungen gewinnen am Rohstoffab– bzw. -raubbau.

Besonders gravierend ist die Situation in der DR Kongo. Dort haben Rebellengruppen die Minen unter ihre Kontrolle gebracht. Die lokale Bevölkerung wird gezwungen, in den Minen für sie zu arbeiten oder Schutzzölle für das geschürfte Erz zu zahlen. Vergewaltigungen und gewalttätige Auseinandersetzungen sind an der Tagesordnung. Mit den Einnahmen finanzieren die Milizen ihre Waffen und weiteren Terror. Viele hunderttausende Kongolesen sind deshalb auf der Flucht. Wenn Sie etwas gegen das Problem unternehmen wollen, geben Sie doch der „Aktion Saubere Handys“ der Organisation missio Ihre Stimme.


Kupfermine in Chile
(Foto: Berg2 - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41974430)

Der Abbau der Metalle wie der seltenen Erden oder Kupfer ist sehr aufwendig. Für ihren Abbau muss viel Boden bewegt werden. Es wird auch von einer „Kampagne zum Berge verrücken“ gesprochen. Die Abwässer werden stark mit Schwermetallen und Ammoniakstickstoff belastet. Für das Herauslösen von Neodym kommen starke Säuren zum Einsatz — der toxische Schlamm vergiftet den Boden und das Grundwasser. Zudem werden radioaktives Thorium und Uran freigesetzt.

Doch es gibt auch einzelne Silberstreifen am Horizont. Die internationale Gemeinschaft bemüht sich trotz aller Widrigkeiten um die Einführung eines Gütesiegels für Rohstoffe nach dem Vorbild des Fairen Handels im Lebensmittelbereich. In den USA bewirkt der Dodd-Frank-Act, dass Konflikt-Rohstoffe gesondert ausgewiesen werden müssen. Einige Unternehmen wie Intel oder Apple haben deshalb, aber auch auf den Druck der Medien und Konsumenten hin reagiert und versuchen weitestgehend komplett auf konfliktfreie Rohstoffe zurückzugreifen. Apple hat zuletzt bekannt gegeben 100 % seiner Rohstoff-Zulieferer auf Konfliktfreiheit der Mineralien und Metalle zu prüfen.

Elektroschrott als Folge unseres Technik-Konsums


Typischer Elektroschrott
(Foto: Volker Thies (Asdrubal) - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1896425)

Die Menge an Elektroschrott – weltweit zwischen 50 und 60 Millionen Tonnen – wächst rund dreimal schneller als jede andere Art von Hausmüll. Füllt man den jährlich weltweit anfallenden Elektroschrott in Müllwagen, ergäbe dies eine Schlange, die sich um mehr als den halben Erdball erstreckt. Im Schnitt 7 Kilo fallen weltweit pro Jahr und Erdenbürger an Elektroschrott an. Längst sind wir gewohnt, uns alle 2 Jahre ein neues Handy auszusuchen. Der Vertrag erlaubt es ja, auch wenn sich die Technik so schnell kaum weiterentwickelt hat. Wer ein defektes Elektrogerät reparieren lassen will, bekommt meist gesagt, dass neu kaufen günstiger sei. Das alles ist auch deshalb so problematisch, weil in Elektroschrott viel Wertvolles steckt.

Ca. 40 kg Rohstoffe und Bodenschätze verbraucht jeder von uns Tag für Tag. Sie werden für die Produktion unserer Produkte verwendet, die wiederum in unseren Haushalten und damit den Städten lagern. In Handys z.B. sind Gold, Silber, Palladium und 50 weitere Rohstoffe verbaut. Die städtischen Lager mancher Rohstoffe übertreffen dadurch bereits die natürlichen Reserven. Laut dem Institut für Umwelt– und Verfahrenstechnik (Umtec) hat Elektroschrott z.B. einen Kupferanteil von 3%. Natürliche Kupfererze dagegen weisen heute meist nur einen Kupferanteil von 0,6 – 1% auf.


Arbeiter auf der Deponie Agbogbloshie nach dem Verbrennen der Kunstoffummantellungen um Kupferkabel
(Foto: Jcaravanos - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47028917)

Nur ein kleiner Teil unseres Elektroschrotts wird ordnungsgemäß entsorgt. Mehr als die Hälfte landet als Second-hand Ware in Nigeria, Ghana, Pakistan, Indien und China. 95 % davon wiederum wandern auf die dortigen Müllkippen wie Agbogbloshie mitten in Accra, Ghana. Hunderte Schiffscontainer voller Kühlschränke, alter Computer, Waschmaschinen und anderer Geräte landen jeden Monat in Ghana an. Innerhalb von nur 20 Jahren ist so ein einst großer Mangrovensumpf zu einem der weltweit größten Elektroschrottplätze geworden. Das ganze Ausmaß können Sie im Bericht des WDR-Magazins Planet Wissen zu Agbogbloshie sehen.

Durch die Lagerung gelangen dort Giftstoffe wie Blei, Quecksilber, Arsen, Cadmium, Beryllium aus den Geräten in den Boden. In ihm, in der Luft, im Wasser und selbst in Früchten auf dem nahen Markt wurden sie in toxischen Konzentrationen nachgewiesen. Viele Geräte werden zudem in „Hinterhofwerkstätten“ mit bloßen Händen ohne Schutzkleidung auseinandergenommen oder mit ätzenden Chemikalien und durch Verbrennen entsorgt. Dabei werden gesundheitsschädliche Dioxine, Furane und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) von den Arbeitern eingeatmet.


Kinder in der lebensfeindlichen Umgebung der Deponie Agbogbloshie in Ghana
(Foto: Lantus - Eigenes Werk, CC BY 2.0, commons.wikimedia.org/w/index.php)

Weil ihre Arbeitskraft besonders günstig ist und sie auf den Lohn angewiesen sind (oft verdienen sie 80 Cent am Tag oder gar nichts), kommen viele Kinder zum Einsatz. Viele von Ihnen sterben bereits vor dem Erwachsenenalter. Das illegale Deponieren und Verbrennen von Elektroschrott schädigt die Gesundheit und Umwelt und vergeudet Ressourcen. Wenn alte Geräte ordnungsgemäß entsorgt würden, könnten viele wertvolle Metalle recycelt werden. Alle der jährlich weltweit ca. 1,6 Mrd. verkauften Handys z.B. enthalten ca. 38 Tonnen Gold, von denen 95% durch Spezialrecyclingfirmen wiederverwendet werden könnten.

So lässt sich Elektroschrott von Anfang an reduzieren

Viele Produkte werden bewusst in Ländern mit geringen Umweltstandards hergestellt und mit minderwertigen Bauteilen versehen. So bekommen wir billige Produkte auf Kosten ihrer Langlebigkeit. Dem „Geiz ist geil“-Prinzip zu folgen, mag sich kurzfristig lohnen, langfristig aber ist es teurer: für den eigenen Geldbeutel und unsere Umwelt. Denn die so genannten externen Kosten tauchen im Preis nicht auf. Besser ist daher, gleich beim Kauf auf Qualitäts- und Umweltsigel sowie Testberichte und lange Garantiezeiten zu achten. Allerdings fehlt bislang für Elektrogeräte ein Öko-Label, das den kompletten Produktionsprozess, den Betrieb und die Entsorgung vollständig einbezieht. Bei Sigeln wie TCO Certified wird aber die Langlebigkeit mit berücksichtigt.

Am besten ist es natürlich, sich selbst erst mal zu fragen, ob es überhaupt ein neues Gerät sein muss. Soll aber unbedingt ein neues Technikprodukt her, dann schauen Sie vorab doch mal auf die EcoTopTen-Seite des Freiburger Öko-Instituts. Das führt dort für 23 Produktgruppen ökologische Spitzenprodukte auf. In die Bewertung der Produkte fließen nicht nur der Stromverbrauch, sondern auch Ergebnisse von Produkttests, Auszeichnungen mit Umweltzeichen, das Fehlen von problematischen Inhaltsstoffen oder auch jährliche Betriebskosten ein. Neben Produktbewertungen werden auch viele Tipps gegeben, wie die Langlebigkeit der Geräte erhöht werden kann.

Inzwischen gibt es auch Produkte, für deren Herstellung die Produzenten auf faire Produktionsbedingungen und möglichst geringe Umweltschädigungen achten. So bietet sich beim Handykauf als ökologische und faire Alternative das Fairphone an. Ein anderes Beispiel ist die faire Maus von Nager IT.  Das Projekt versucht, die  erste vollständig faire Computermaus herzustellen.

Vielleicht muss ja auch nicht immer ein neues Gerät sein. Eine Vielzahl von Second-hand Geschäften in der Region verkaufen gebrauchte Geräte und nehmen je nach Bedarf Eure gebrauchten Geräte an. Gebraucht kaufen oder weitergeben bedeutet Geräte länger nutzen und damit eigenes Geld, Ressourcen und Müll sparen.

Und: wieso eigentllich immer selber kaufen, wenn man auch leihen und Geräte mit anderen teilen kann.

Finden Sie hier: Adressen von Gerätevermietungen in der Region.


In Heidelberg gibt es zudem den Leihladen. Dort können Gegenstände, die nur zeitlich begrenzt bzw. nur ab und zu benötigt werden (z. B. Bohrhammer, Waffeleisen), wie umsonst ausgeliehen werden. Und: wer ein selten genutztes Gerät daheim auf dem Dachboden oder im Keller hat, kann es wiederum dem Leihladen zur Verfügung stellen. Auch das vermeidet Elektroschrott und hilft zu Entrümpeln.

In eine ganz ähnliche Richtung wie der Leihladen Heidelberg zielen Facebook Gruppen wie „Free your Stuff“ und die Tausch– und Verschenkemärkte, die verschiedene Kommunen der Region eingerichtet haben.
Finden Sie hier: Adressen in der Region zum Thema Verschenken und Umsonst
.

Wenn ein Gerät mal defekt ist, muss es dennoch nicht gleich weggeworfen oder ein neues gekauft werden. Es gibt in der Region viele professionelle Reparaturbetriebe, die Ihnen helfen, Ihr Gerät zu erhalten.
Finden Sie hier: Adressen von Elektro-Reparaturbetrieben in der Region.

Wenn Sie Ihr Gerät selber reparieren wollen, statt es gleich wegzuwerfen, gibt es auf der Plattform de.ifixit.com über 20.000 kostenlose Reparaturanleitungen. Auf der Plattform helfen sich Menschen weltweit, Dinge zu reparieren. Auf lokaler Ebene gibt es diese Hilfe bei gemeinschaftlichem Reparieren auch in den Repair Cafés.

Auf der Webseite www.repaircafe.org sind inszwischen (Stand 2015) 1.050 Repair Cafés in 24 Ländern verzeichnet (abseits davon gibt es sicher noch viele weitere, die schlicht nicht registriert sind). Ca. 13.000 Ehrenamtliche engagieren sich in diesen Repair Cafés dafür, dass mehr repariert und weniger weggeworfen wird. Die Erfolgsquote ist hoch. Sie liegt bei ca. 70%. Durch die Reparaturen wurden im Jahr 2015 CO2 Emissionen in Höhe von 200.000 kg CO2 vermieden. Das entspricht den jährlichen Emissionen von 25 Haushalten.

Auch in der Region gibt es inzwischen zahlreiche Reparaturinitiativen. So z.B. in Heidelberg im Haus der Jugend, in Heidelberg-Rohrbach im dortigen Treff am Turm, in Heidelberg-Emmertsgrund, in der Heidelberger Bahnstadt, in Edingen, Leimen, Speyer, Germersheim und Neustadt an der Weinstraße.

Weiterführrende Informationen und Quellen


Missio Aachen: YouTube-Video "Shalom-Friedenspreis 2015 für missio-Projektpartnerin Thérèse Mema Mapenzi"

https://www.youtube.com/watch?v=owMFVE7OxZA&feature=youtu.be


PBS: YouTube-Video "Documenting child labor in the Congo" (En)

https://www.youtube.com/watch?v=Gn9reP2pehw


N24: YouTube-Video "Smart und schmutzig - Das Geschäft mit den Handys"

https://www.youtube.com/watch?v=gOy5MupACgs


FUTUREMAG auf ARTE: YouTube-Video "Fairphone - das nachhaltige Smartphone"

https://www.youtube.com/watch?v=fUauKNoKs5k

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