Artenschutz selbst gemacht: Ein paar Tipps, wie Sie helfen können, die Artenvielfalt zu erhalten

Artenschutz: das klingt nach Biologen, die sich auf der Suche nach Nashörnern, die sie vermessen und mit Sendern versehen wollen, durch den Regenwald von Sumatra schlagen. In der Tat gibt es viele Experten, die sich Tag ein und Tag aus damit beschäftigen, bedrohte Amazonas-Flussdelfine zu schützen oder Luchse im Pfälzerwald anzusiedeln. Andere züchten Feldhamster, um sie anschließend auf den Äckern rund um Mannheim auszuwildern, oder sie ziehen Waldrappe groß, denen sie später mit Leichtflugzeugen helfen, über die Alpen in ihr Winterquartier zu fliegen.

Die bewundernswerten Beispiele verschiedener Artenschutzprojekte in Deutschland und der Welt sind vielfältig. An vielen können Sie ein Stück weit teilhaben. So gibt es zahlreiche Newsletter die über die neusten Entwicklungen informieren (z.B.: zum Waldrapp-Projekt) und WebCams, die Auswilderungen live mitverfolgen lassen. So z.B. von den beiden jungen Bartgeiern Bavaria und Wally in den Berchtesgardener Alpen. Und natürlich kommen zum Teil komplizierte Verfahren zum Einsatz wie z.B. genetische Untersuchungen oder Telemetrie und statische Methoden.

Artenschutz ist nicht nur was für Biologen

Doch Artenschutz kann auch von Laien durchgeführt und unterstützt werden, ohne komplizierte Methoden, alleine oder in der Gruppe, manchmal sogar gerade, wenn Sie nichts tun. Wir wollen Ihnen nachfolgend ein paar Tipps für den Artenschutz geben, den Sie selbst leisten können. Eine vollständige Auflistung von Optionen, die Sie haben, ist das aber bei Weitem nicht. Wir Einzelnen können so viel für den Artenschutz beitragen, das Meiste ist uns gar nicht bewusst. Es hängt mit unserem alltäglichen Handeln und Konsumieren zusammen. Gerade letzteres hat ganz oft direkt oder indirekt Auswirkungen auf den Erhalt oder eben den Verlust von Arten.

Souvenirs verschmähen kann wichtiger Beitrag zum Artenschutz sein

Ein Beispiel und damit auch zunächst dazu, was Sie für den Artenschutz tun können, ohne eigentlich was zu tun. Wie das? Wenn Sie auf einer Urlaubsreise an schönen Souvenirs vorbeikommen, ist es bei solchen, die aus der Natur entnommen wurden, das Beste, diese nicht zu kaufen, also gerade nichts zu tun. Es gilt, keine Souvenirs mitzunehmen, bei denen es sich um Bestandteile oder ehemalige Bestandteile von Lebensräumen oder gar dort entnommenen Lebewesen handelt, wie z.B. Korallen, Seesternen, Schwämmen, etc. Oft ist das ohnehin verboten, wird aber dennoch vor Ort angeboten.

Die Verlockung mag groß erscheinen. Doch gerade solche Souvenirs links liegen zu lassen, ist ein durchaus großer Beitrag zum Artenschutz, der nicht mal anstrengend ist und zudem ihren Geldbeutel schont. Und mal ehrlich: am Ende verstaubt der Seestern doch ohnehin irgendwo in irgendeinem Regal. War es das wert?

Wespen leben lassen ist Artenschutz

Nichts oder nicht viel tun, ist auch oft eine positive Handlung im Sinne des Artenschutzes, wenn vermeintlich lästige Wespen am Haus oder auf dem Balkon stören. Denn, bei den meisten Wespenarten handelt es sich um solche, die ganz und gar nicht lästig werden, sondern im Gegenteil für uns und die Natur sehr nützlich sind. Und selbst die im Spätsommer eher lästigen Arten, sind nützlich. Wespen fangen am Tag viele Fliegen und Mücken, die Sie sonst nerven. Anders als Wespen sind Stubenfliegen übrigens wirklich Krankheitsüberträger.

Am besten also bei einem Wespennest, das Ihnen Sorge bereitet, über das zuständige Umweltamt einen Wespenberater ausfindig machen und kontaktieren. Der kann Ihnen helfen, rauszufinden, ob es sich überhaupt um Wespen (oder vielleicht Bienen) handelt. Er wird ermitteln, um welche Art es sich genau handelt, und Ihnen Tipps dafür geben, wie Sie die paar Wochen im Leben der Wespen gut miteinander auskommen. Das geht nämlich durchaus, selbst bei den vermeintlich lästigen Arten. Nur allzu schnell wird der Schädlingsbekämpfer angerufen, der oft ein für Sie, wie für die Tiere schädliches Gift (es handelt sich meist um Nervengift) versprüht. Anschließend ist ein Wespennest dahin, von dem eigentlich gar keine Gefahr ausging.

Besser keine exotische Tierarten halten

Wir Menschen lieben oft Tiere als Begleiter in unserem Leben. Aber muss es unbedingt ein exotisches Tier sein? Tiere deren Einfuhr verboten sind, sind ohnehin tabu, aber auch die in Zoohandlungen legal angebotenen exotischen Arten können eine Gefahr für unsere heimische Artenvielfalt und für die Artenvielfalt in ihren Herkunftsländern sein. So werden durch sie immer wieder Keime/Parasiten eingeschleppt, die für unsere heimischen Arten zur großen Gefahr werden.

Wieder ein Beispiel: So gibt es mittlerweile im angrenzenden Rheinland-Pfalz und nicht allzu fernen Bayern erste Areale, in denen der Pilz Batrachochytrium salamandrivorans (kurz: Bsal) nachgewiesen wurde. Er ist vermutlich mit exotischen Arten für deren Haltung im Terrarium aus Asien eingeschleppt worden und in die Natur „entkommen“. Das Problem: unsere heimischen Feuersalamander sind dem Pilz völlig wehrlos ausgeliefert. Dort, wo der Pilz erstmal vorkommt, verschwindet die Feuersalamander-Population vollständig und für immer! Denn: der Pilz hält sich nahezu ewig in der Natur. Noch sind nur kleine Areale betroffen, doch die Ausbreitung über Schuh- und Hundesohlen sowie Autoreifen droht. Auch andere Arten werden davon betroffen sein.

Tipps für Halter von Hunden und Katzen

Auch bei den klassischen Haustieren wie Hund und Katze, sollten wir ehrlich sein. Ja, sie sind niedlich und tolle Begleiter unseres Lebens (der Schreiber des Artikels hat selber lange einer Katze ein Zuhause geboten). Aber: sie sind auch Raubtiere! Und als solche verschmähen sie durchaus Jungvögel, Blindschleichen, Eidechsen, etc. nicht. Deshalb müssen Sie nicht auf ein geliebtes Haustier verzichten oder z.B. Katzen nicht ständig drinnen einsperren. Aber es gibt durchaus ein paar Dinge, die Sie als Halter insbesondere von Katzen beachten können. Eine ganze Reihe von Tipps hält der NABU hierzu bereit. Hunde sollten im Wald und in der Offenlandschaft an der Leine geführt werden. In vielen Ländern gilt der Leinenzwang ohnehin in den Sommermonaten. Selbst wenn der Hund den Feldhasen, den er jagt, nicht bekommt, schwächt der Energieverlust und der Stress das Wildtier.

Aktiv werden bei NABU, BUND und Co. für den Artenschutz

Sie können sich ideal in der Gruppe für den Artenschutz engagieren. Das geht bei zahlreichen Vereinen und Organisationen in der Region. Zu nennen sind hier natürlich die verschiedenen lokalen Gruppen von NABU und BUND. Aber es gibt weitere Organisationen, die sich in der Rhein-Neckar-Region vor Ort für den Artenschutz einsetzen. Auf unserer Seite Natur-/Umweltschutz in der Metropolregion finden Sie einige der Organisationen, bei denen ein Engagement möglich ist. Das Betätigungsfeld dort ist groß: es reicht von Nistkästen für Fledermäuse aufhängen und (leider auch) säubern, Eidechsenburgen bauen, Feldhamster suchen, Schwalbennester zählen, Insektenhotels bauen und aufstellen, bis zum Anbieten von Vogelwanderungen und darüber hinaus.

Im eigenen Garten Artenschutz betreiben

Doch sie können auch alleine aktiv werden. So, z.B. wenn Sie einen Garten, Vorgarten oder einen Balkon besitzen oder zumindest nutzen und pflegen können.

Gärten sind ein wichtiger Lebensraum für viele Arten geworden. Insbesondere für diejenigen, die in Wald und Feldflur zunehmend Probleme haben und dort z.B. nicht mehr die entsprechenden Nahrungsgrundlagen finden. Gärten sind oft ein Trittsteinhabitat, das hilft, von einem größeren Lebensraum zum anderen zu gelangen und auf dem Weg dahin Nahrung zu finden. Für Igel, die eigentlich in Waldrändern und der Feldflur heimisch sind, scheinen die Gärten mittlerweile zum wichtigsten Lebensraum geworden zu sein. Darauf jedenfalls lassen leider die vielen Totfunde auf Straßen in Wohngebieten bei Igelzählungen schließen.

Auch bei anderen Arten bemerken Wissenschaftler*innen eine Abnahme in der halboffenen Landschaft und eine Zunahme in Gärten. So z.B. bei Gartenrotschwänzen, Elstern oder Feldsperlingen. Die Amsel, eine klassische Vogelart des Waldes, ist längst in Gärten heimisch. Dort findet sie insbesondere auf Rasenflächen viel Nahrung. Klar, für zahlreiche Tierarten sind Gärten selbstverständlich zu klein und kein Lebensraum, wenn wir an den Wolf oder Adlerarten denken.

Im Garten können Sie viel tun oder gerade auch nicht viel tun, um der Artenvielfalt zu helfen. So sollten Böden nicht durch Pflastersteine, Beton, Asphalt oder Kies versiegelt werden. Im Herbst Holz und Zweige liegen lassen und nicht jedes Blatt entfernen, hilft vielen Arten, die genau in Reißig- und Blätterhaufen ein geeignetes Winterversteck und Nahrung finden. In der Blätterschicht leben viele Kleinstlebewesen wie Springschwänze, Würmer, Asseln, Milben und viele weitere, die die Blätter zersetzen. Deshalb gibt es auch nicht im Wald von Jahr zu Jahr immer höhere Blätterberge, sondern im Frühjahr/Sommer sind die meisten der von den Bäumen gefallenen Blätter schon wieder zersetzt. Die kleinen Lebewesen aber sind wiederum Nahrung für andere Tiere, die dann wieder von anderen gefressen werden, usw. Die Natur ist ein großes Netz aus Tieren und Pflanzen, die aufeinander angewiesen sind bzw. in dem es fressen und gefressen werden heißt, so grausam uns das zunächst erscheinen mag.

Wie Reißig- und Blätterhaufen sind auch Steinhaufen und Trockenmauern sowie Hecken aus heimischen Sträuchern in verschiedenen Wuchshöhen ideal für verschiedene Arten. Die Anlage von Blumenwiesen mit zahlreichen heimischen Wildkräutern helfen vielen Insekten und können schnell zu einem Paradies für die Tierbeobachtung im eigenen Garten werden. Hat ihre Anlage erstmal geklappt, sind sie zudem eher pflegeleicht.

Ein kurzgeschorener englischer Rasen, der letztlich nichts anderes als eine Monokultur im Garten ist, ist genau das Gegenteil. Die heute auf diesen Rasen oft genutzten Mähroboter sind für Igel und andere Tiere zur Gefahr geworden.

Lichtverschmutzung im Garten und am Haus reduzieren

Noch problematischer als Mähroboter sind die Leuchten, die mittlerweile in vielen Gärten stehen und nachts Licht abgeben. Sie werden für viele Insekten zur Falle. Generell können Sie viele gerade nachtaktive Insekten schützen, indem Sie Lichtfallen rund ums Haus reduzieren. D.h. Licht, das im Außenbereich nicht unbedingt in der Nacht angeschaltet sein muss, entweder ausschalten oder mit einem Bewegungssensor versehen. Auch sollte idealerweise nur warmweißes Licht mit einer Farbtemperatur von bis 3000 K verwendet werden. Das Anstrahlen von Bäumen und Sträuchern sollte vermieden werden und insgesamt sollte das Licht nur auf den Boden strahlen, nicht in den Himmel. Weitere Tipps dazu gibt es auch hier.

Konkrete Hilfe für einzelne Arten im Garten

Konkret gibt es im Folgenden ein paar Links zu Tipps u.a. des LBV zu Hilfen für einzelne Arten(gruppen) im Garten:  

Wenn man in seinem Garten den Großen Abendsegler, Igel, Distelfink etc. sieht, muss einiges im Garten richtig laufen. Idealerweise gibt es vielfältige Strukturen und Lebensräume wie Hecken, Bäume, Blumenwiesen mit vielen Wildsämereien, kleine Teiche, Trockenmauern, usw. U.a. weil genau dies oft in alten Villenvierteln zu finden ist, gehören diese Stadtteile oftmals mit zu den artenreichsten Arealen. Dabei bestimmen in den Gärten nicht Kirschlorbeer und Thuja das Bild, sondern Holunder und Weißdorn. Der Weißdorn z.B. ist ein Strauch, der vielen heimischen Schmetterlingsarten als Nahrungsgrundlage und Lebensraum dient.

Artenschutz auf dem Balkon

Auf dem Balkon könnten Wildbienenhotels aufgestellt werden. Auch wenn die Blumenkästen nicht mit Geranien sondern mit heimischen Wildkräutern befüllt wird, wird dies Wildbienenarten anziehen und so der Artenvielfalt dienen. Es müssen auch nicht immer heimische Pflanzen sein. Ein Blumenkasten voller Lavendel wird z.B. viele Hummeln und Bienen anlocken. Eine ganze Reihe von Tipps auch für die Pflanzung und Aussaat von Pflanzen und Anlage von Bienenhotels für den Balkon bietet u.a. der BUND

Keine Pestizide benutzen

Wichtig ist auch, keine chemischen Pflanzenschutzmittel bzw. Insektenvernichtungsmittel im Garten zu verwenden, wie es sie leider noch immer viel zu viel im Baumarkt gibt. Stattdessen gibt es auf zahlreichen Seiten im Internet Tipps zum Pflanzenschutz ohne Chemie. Viele Gartenbesitzer nutzen z.B. gerne Schneckenkorn. Gegen die ungeliebten Nacktschnecken hilft es am Ende zwar kaum, aber es wird auch z.B. von Weinbergschnecken aufgenommen und ist für diese ebenso tödlich. Dabei sind Weinbergschnecken ihre natürlichen Verbündeten im Kampf gegen Nacktschnecken, da sie deren Eier vertilgen. Schön anzusehen die die imposanten Weinbergschnecken auch noch.

Torffreie Blumenerde verwenden rettet Moore

Im Garten bitte keine Blumenerde verwenden, die Torf enthält. Leider gilt das für die meisten Blumenerden. Torf aber stammt aus Mooren, die für den Abbau von Torf trockengelegt werden. Moore aber sind wichtige CO2 Speicher und dienen zudem vielen bedrohten Arten als Lebensraum.

Die Liste der torffreien Alternativen, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufführt, wird aber zum Glück auch immer länger. Wichtig ist aber: nicht jede Bio-Erde ist torffrei. Nur wenn auf dem Produkt „torffrei“ oder „ohne Torf“ steht, sollte auch kein Torf enthalten sein.

Eine gute Alternative – wenn Sie einen Garten haben – ist zudem, Kompost anzulegen oder Kompost zu kaufen. So gibt es in Mannheim z.B. den Mannemer Biokompost, der beim Kompostplatz oder auch einzelnen Recyclinghöfen in Mannheim erworben werden kann.

Auf das Essen achten kann Ihr Beitrag zum Artenschutz sein

Noch mal zurück zu unserem Konsum und wie der in Verbindung mit Artenverlust bzw. Artenschutz stehen kann Lassen Sie uns übers Essen reden.

Biologische Lebensmittel sind nicht nur für uns Menschen gesünder, weil sie weniger Pestizidbelastet sind, der biologische Landbau nützt auch vielen Arten. Es gibt zahlreiche Untersuchungen darüber, um wie viel höher die Artenvielfalt auf biologisch bewirtschafteten Flächen ist. Dies gilt u.a. für Vogelarten, Schmetterlinge und andere Insekten. Weil die ökolgische Landwirtschaft das Grund- und Oberflächenwasser zudem weniger mit Nährstoffen belastet, hilft sie zudem dem Gewässerschutz. D.h. mehr Bio-Produkte zu konsumieren bedeutet mehr Artenschutz.   

Bitte beim Essen im Restaurant nicht alles über Bord werfen, worauf Sie vielleicht bei den Speisen daheim achten. So wie wir im Urlaub gerne Urlaub von allen lästigen Verpflichtungen machen. D.h. am besten fragen Sie im Restaurant nach Bio-Produkten, auch wenn es kein Bio-Restaurant ist. Sie sollten zudem keine Fische verzehren, die potentiell aus der Tiefseefischerei stammen. Dies gilt z.B. für den Seeteufel oder Rotbarsch. Auch Fische, die vom Aussterben bedroht sind wie der Aal, gehören nicht auf den Teller. Erinnern Sie sich noch daran, wie normal es in ihrer Kindheit war, Aal zu bekommen und zu essen? Heute ist er fast verschwunden.  

Legen Sie doch mal einen fleischfreien Tag ein. Weniger Fleisch bedeutet weniger Anbaufläche für Mais, Soja etc., wo sonst nahezu nichts leben kann. Fortgeschrittene reduzieren auf einmal in der Woche Fleisch (wie zu den Zeiten unserer Großeltern) oder steigen gar auf vegetarisch/vegane Ernährung um.

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21.04.2024

Heidelberg: Alternativer Frühlingsmarkt auf dem Wilhelmsplatz mit kostenfreier Mobilitätsberatung

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24.04.2024

Heidelberg: Radaktion - Beratung rund um das Radfahren

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24.04.2024

Mannheim: BNE für Erwachsene "Wildkräuter auf dem Teller - Vitalität aus der Natur"

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