Wohin mit alter Kleidung?

Altkleidercontainer gehören zum Stadtbild und beruhigen unser Gewissen. Es gibt verschiedene Sammelorganisationen, aber ob sie tatsächlich einem guten Zweck dienen ist nicht immer auf Anhieb ersichtlich.


Rund 1 Millionen Altkleider werden nach Hochrechnungen des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung in Deutschland pro Jahr in Altkleidercontainer aussortiert. Die Ursache für diese Mengen ist unser Konsumverhalten. Wir kaufen im Schnitt jährlich 60 neue Kleidungsstücke, welche wir nur noch halb so lange tragen wie noch vor 15 Jahren. Alles Überschüssige, was wir nicht mehr tragen landet oftmals in Altkleidercontainern. Von dort wird zu einem geringen Teil nach Osteuropa transportiert, vor allem aber nach Afrika verschifft.


Im Folgenden soll genauer auf die Thematik der Altkleider im Allgemeinen und auf die Fragen woran man „gute“ Altkleidersammlungen erkennt,  wohin die Kleiderspenden gehen und ob die importierten Textilien dem lokalen Markt in den afrikanischen Ländern schaden im Besonderen eingegangen werden.

Woran erkenne ich "gute" Altkleidercontainer?

Container von gemeinnützigen und karitativen Organisationen sind mit Infoaufklebern gekennzeichnet. Sie verfolgen das Ziel, Kleiderspenden entweder direkt an Bedürftige weiterzugeben oder aber den Erlös der Kleiderspenden zur Finanzierung sozialer und ehrenamtlicher Projekte zu verwenden. 


Träger solcher gemeinnütziger Container sind entweder durch das bvse-Siegel (Qualitätssiegel des Bundesverbands für Sekundärrohstoffe und Entsorgung) oder das Siegel des DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen) gekennzeichnet oder sie sind Teil des Dachverbands FairWertung. Letzteres ist ein bundesweites Netzwerk, welches 130 Organisationen umfasst, die sich den sozialen Standards von FairWerung verpflichten.


Das DRK (Deutsche Rote Kreuz) kennzeichnet seine Altkleidercontainer beispielsweise mit einheitlichen Info-Aufklebern, die Auskunft über die Verwendung der Kleidung geben und eine Adresse nennen, die den direkten Kontakt zum DRK-Regionalverband ermöglichet.


Ähnlich wie beim DRK sind alle Altkleidercontainer, die zum Dachverband FairWertung gehören, mit Info-Aufklebern gekennzeichnet. Zudem besteht die Möglichkeit einer Standort-Suche (https://www.fairwertung.de/index.html), mit welcher der nächstgelegene FairWertung-Container gesucht werden kann. Sollte es in der Nähe keinen Fair-Wertung-Container geben, besteht die Möglichkeit einer kostenlosen Paketspende.

Test

Gewerbliche Container haben in der Regel keinen Info-Aufkleber. Jedoch vermieten einige Initiativen ihre Logos gegen eine monatliche Gebühr an gewerbliche Sammelcontainer. So wird durch die Vermietungsgebühr zumindest einen Teil der Einnahmen für einen guten Zweck verwendet gleichwohl wird allerdings dem Nutzer der Container eine falsche Tatsache vorgegaukelt. Die Textilien werden in diesem Fall gewerblich gehandelt.


Bei Unsicherheit empfiehlt es sich, immer die auf dem Container angegebene Telefonnummer anzurufen. Geht niemand ans Telefon steckt meistens ein Gewerbe dahinter. Ist auf dem Container erst überhaupt keine Telefonnummer zu finden, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen illegalen Container. Diese werden in stark frequentierten, öffentlichen Bereichen, wie Autobahnausfahrten oder Einkaufszentren, aufgestellt und verschwinden meist genauso schnell wieder wie sie aufgestellt wurden. Gleiches gilt auch für Sammlungen mit Wäschekörben und kleinen Tonnen, die vor Haustüren oder auf Bürgersteigen abgestellt werden. In den meisten Fällen handelt es sich hier um gewerbliche Sammlungen.


Um gegen diese illegalen Container anzukämpfen stellen manche Gemeinden seit dem 2012 reformierten Kreislaufwirtschaftsgesetz kommunale Container auf. Der Erlös wird zwar nicht zwingend für karitative oder gemeinnützige Zwecke verwendet, kommt aber der Gemeinde zugute und soll vor allem die Kosten für den Abfallhaushalt senken. Erkennbar sind kommunale Container am Symbol der örtlichen Abfallbehörde.

Wohin gehen die Kleiderspenden?

Nur die Kleidung, die direkt an die Kleiderkammern oder Geschäftsstellen einer Sammelorganisation abgegeben wird, geht tatsächlich an Bedürftige vor Ort. Über Kleiderkammern und Kleiderläden können jährlich rund 1,2 Millionen Menschen mit gut erhaltener Kleidung, Schuhen und Decken versorgt werden. Empfänger sind Obdachlose, Menschen in akuten Notlagen, wie bei Überschwemmungen oder Hauseinstürzen, sowie Menschen in Flüchtlingsunterkünften oder Notunterkünften. Außerdem organisieren regionale Verbände ab und zu Hilfsgütertransporte in ärmere Regionen – beispielsweise in die Ukraine oder nach Weißrussland.


Der Inhalt der Altkleider-Container wird dagegen direkt an Textil-Sortierbetriebe verkauft. Wenn die Sammelorganisation gemeinnützig ist, gehen die Erlöse aus dem Verkauf direkt wieder an die soziale Einrichtung. Auch die Sortierbetriebe finanzieren sich durch den Verkauf der noch tragbaren Textilien. Ist die Sammelorganisation dagegen gewerblich oder illegal, geht der Erlös an den Bedürftigen vorbei.
In den Sammelbetrieben werden tragbare Kleidungsstücke von minderwertigen Textilien getrennt. Rund 10 Prozent der gesammelten Textilien sind Abfall. 35 Prozent sind nicht mehr als Kleidung zu tragen – sie werden zu Putzlappen, Dämmstoffen oder Isoliermaterial weiterverarbeitet oder entsorgt. Da die Fast-Fashion Industrie Polyester oft mit Naturmaterialien mischt, sind die Stoffe oft kaum recyclingfähig. Die noch tragbaren 55 Prozent der Textilien werden als Secondhandware nach Osteuropa, den Mittleren Osten und vor allem nach Ostafrika exportiert. Dort werden sie auf lokalen Second-Märkten weiter gehandelt.

Schädigen die importierten Textilien den lokalen Markt in den afrikanischen Ländern?

Die Vorwürfe, Altkleiderexporte ruinieren in afrikanischen Ländern die Textilindustrie gelten zum Teil als überholt. Die Ursachen, warum es in den ost-afrikanischen Ländern kaum eine eigene Textilproduktion gibt sind andere. Dazu gehören:

 

•  schlechte gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

•  mangelnde Produktivität von inländischen Betrieben

•  problematische Produktionsbedingungen (häufiger Stromausfall, unregelmäßige Wasserversorgung, Mangel an Ersatzteilen)

•  Wettbewerbsverzerrung durch höhere Zollsätze auf Import von textilen Rohmaterialien

•  Wettbewerbsverzerrung durch asiatische Billigtextilen

•  Streichung von Subventionen an Textilbetriebe

 

Die Secondhand-Kleidung wird in Afrika aufgrund der Langlebigkeit, der guten Qualität und der günstigen Preise sehr geschätzt. Insbesondere in den ländlichen Regionen Afrikas bietet Secondhandkleidung der Bevölkerung die Möglichkeit günstige Textilien zu kaufen. Zudem erfreut sich westliche Kleidung in Ostafrika großer Beliebtheit.

Gleichzeitig sind in Afrika durch die Weiterverarbeitung von gebrauchten Kleidern auch neue Arbeitsplätze entstanden, da eine große Anzahl von Menschen vom Handel oder dem Umarbeiten dieser Kleidung lebt. In Kenia, Kamerun, Tansania, Malawi und Uganda decken Secondhandware aus Europa und Amerika 60 bis 80 Prozent des Kleidungsbedarfs.


Auf der anderen Seite haben die ostafrikanischen Länder einen Punkt erreicht, an welchem Produktionstechniken und Produktionsqualität wettbewerbsfähig sind. Einführbeschränkungen könnten die heimische Textilindustrie fördern. Bisher werden nur rund 15 Prozent der inländisch produzierten Baumwolle vor Ort verarbeitet. Der Großteil wird exportiert.


Die EAC (Ostafrikanische Gemeinschaft) hat einen Importstopp für Altkleider angekündigt. Dieser würde sich positiv auf die lokale Industrie auswirken, lokal produzierte Güter unterstützen und neue Arbeitsplätze schaffen. Den Händlern dagegen könnte der geplante Importstopp ihre Arbeit kosten, denn das Verkaufen von Neuwaren brächte ihnen kaum Gewinn. 42 Staaten aus Afrika, Süd-Amerika und Asien haben den Import von Altkleidern inzwischen beschränkt oder verboten. Uganda, Ruanda und Tansania haben ihre Steuern auf importierte Secondhandkleidung bereits erhöht, Kenia hält sich bisher noch zurück.

Fazit

Prinzipiell gilt es, Sammelaufrufe und Containerbeschriftungen immer genau zu lesen und Aussagen kritisch zu hinterfragen. Es kann sein, dass Logos von gemeinnützigen und karitativen Sammlungen gemietet werden oder Vereinsnahmen frei erfunden werden. Adressdaten oder Telefonnummern können dabei helfen, nachzufragen. Ist unter der angegebenen Telefonnummer niemand zu erreichen oder erst gar keine Telefonnummer vorhanden, handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen gewerblichen oder illegalen Container.


Auf der Internetseite des Dachverbands Fairwertung kann mithilfe der Standortsuche der nächste gemeinnützige oder karitative Altkleidercontainer ausgemacht werden. Zudem besteht die Möglichkeit einer kostenlosen Paketspende. Alternativ weißt auch das Qualitätssigel des Bundesverbands für Sekundärrohstoffe und Entsorgung oder das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen auf eine seriöse Sammelorganisation hin.

Hier finden sie die städtischen Altkleiderkontainer/Ökosäulen der Stadt Heidelberg


Am Sinnvollsten ist es qualitativ hochwertige Kleidung in die Altkleider-Container zu geben. Stücke aus Baumwolle haben dabei einen hygienischen Vorteil gegenüber Kunstfasern. Die Kleidung sollte sauber und trocken sein, sie zuvor extra zu waschen ist aber nicht nötig. Textilien sollen gut verpackt werden und Schuhe paarweise zusammengebunden. Die Entsorgung in den Restmüll sollte gänzlich vermieden werden. Wenn Kleidung tatsächlich kaputt und zerschlissen ist, gehört sie nicht in den Altkleidercontainer, sondern sollte beim kommunalen Wertstoffhof abgegeben werden. Nur stark verschmutzte Kleidung, beispielsweise durch Farbe oder andere Chemikalien, kommt in den Restmüll. Auch auf Wertstoffhöfen werden die Abfälle zunächst sortiert. Ein Teil wird zu neuen Kunststoffartikeln weiterverarbeitet, der Rest – darunter auch entsorgte Textilien – geht direkt zur Abfallverwertung, dort wird der Müll energetisch zu Strom und Wärme verwertet.

Bei Altkleidercontainern fließt nur der Erlös an die Sammelorganisation. Wer möchte, dass seine Kleidung unmittelbar an Bedürftige geht, sollte seine Spende in Kleiderkammern oder in die Kleiderläden einer anerkannten Organisation abgeben.

Eine Übersicht der Kleiderkammern und der gemeinnützigen Secondhandläden in der Rhein-Neckar-Region finden sie hier.

Wer außerdem wissen möchte, was überhaupt von Kleiderkammern gebraucht wird und welche es wo gibt, wendet sich direkt an den Kreisverband der Region. Ein Ansprechpartner vor Ort kann über die Postleitzahlensuche gesucht werden.

Gibt es bessere Alternativen?

Beim Thema Altkleiderexporte sollte immer auch der Umweltaspekt berücksichtigt werden. Es ist besser, den Kleidern ein zweites Leben zu geben, als sie auf den Müll zu werfen und unter Verbrauch wichtiger Rohstoffe ständig neue Kleider zu produzieren. Auf der anderen Seite sind der weite Transport nach der Sammlung über die Altkleidercontainer und die damit verbundenen Emissionen nicht zu unterschätzen. Auch wenn Ausrangiertes fachgerecht in seriöse Altkleidercontainer gegeben oder für gemeinnützige Zwecke gespendet werden kann, ist es letztlich ökologischer, insgesamt weniger Neues zu kaufen. Bevor Kleidung aussortiert wird, sollte geschaut werden, ob sie repariert werden kann. An kleine Löcher oder Knöpfe kann man selbst Hand anlegen, alternativ gibt es Änderungsschneidereien oder Repair-Cafés. Eine Übersicht der Änderungsschneidereien und Schuster in der Rhein- Neckar-Region finden Sie hier. Immer bekannter wird auch das Upcycling, welches das Ziel verfolgt Abfallprodukte oder scheinbar nutzlose Stoffen in neuwertige Produkte zu verwandeln.

Ein Überblick der Upcycling-Angeboten in der Rhein-Neckar-Region finden Sie hier


Um alte Kleidung los zu werden gibt es zu Altkleidercontainern verschiedene Alternativen. Neben den seit langem bewährten und bekannten Flohmärkten und Second-Hand Läden bietet auch das Internet Möglichkeiten. Zahlreiche Tausch- und Verschenk-Netzwerke haben sich etabliert. Neben Kleidung können hier auch viele andrer Gegenstände des Alltäglichen Gebrauchs den. Besitzer wechseln. Immer bekannter werden in letzter Zeit auch Kleidertauschpartys Diese werden entweder privat organisiert oder von lokalen Initiativen angeboten.


Einen Überblick der regelmäßige Flohmärkte in der Rhein-Neckar-Region finden Sie hier


Einen Überblick der die Second-Hand Läden in der Rhein-Neckar-Region finden Sie hier

 

Eine Übersicht zu Kleidertauschpartys in der Rhein-Neckar-Region finden Sie hier

 

Lesen Sie hier weiter:

Weitere Infos zum Thema


Weitere Informationen finden sie hier:

Esther Katende Magezi: The Impact of Second Hand Clothes and Schoes in East Africa (2017) ist eine Studie über den Second-Hand Markt und seine Auswirkungen in Ostafrika

Ihre Spende kommt an hier gibt es weiterführende Informationen vom Deutschen Roten Kreuz

Altkleidermarkt. Lumpen und Sammler (2013) ist ein Artikel von Spiegel Online zum Thema Altkleiderkontainer

 

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